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11. Januar 2010
Musikverein Verl

Fantastisches Jahreskonzert

von Hubertus Ebbesmeyer (Neue Westfälische)

Musikverein Verl stimmt 1.500 Besucher auf ein beschwingt-glanzvolles 2010 ein

Bei den drei Jahreskonzerten des Musikvereins Verl am Wochenende in der Hauptschulaula war auch Schlagzeuger Alfred Aelker (hinten l.) mächtig beeindruckt von der Klangfülle seiner Kollegen vor ihm. Die Reihe der Tubisten führte Tobias Erichlandwehr (M.) an, die vor ihm sitzenden Tenorhornisten Andreas Berenbrinker (r.). | FOTO: HUBERTUS EBBESMEYER

Bei den drei Jahreskonzerten des Musikvereins Verl am Wochenende in der Hauptschulaula war auch Schlagzeuger Alfred Aelker (hinten l.) mächtig beeindruckt von der Klangfülle seiner Kollegen vor ihm. Die Reihe der Tubisten führte Tobias Erichlandwehr (M.) an, die vor ihm sitzenden Tenorhornisten Andreas Berenbrinker (r.). | FOTO: HUBERTUS EBBESMEYER

Verl. "Bleiben Sie uns gewogen." Das ist seit der Zeit des früheren Vorsitzenden Franz Berenbrinker der Kult-Spruch des Musikvereins. Dass dem mal nicht so sein wird, müssen die Musikerinnen nicht befürchten. Erst recht nicht nach ihren drei fantastischen Jahreskonzerten am Wochenende in der Hauptschulaula. Zum Finale gab es sogar echten "Surround-Sound".

Doch nicht erst am Schluss zeigten sich die 1.500 froh gestimmten Besucher beglückt und begeistert. Was das Schüler- das Jugend- und das Erwachsenenorchester ihren Gästen zwei Stunden lang boten, war ein abwechslungsreicher, keck moderierter und musikalisch wie musikantisch schwungvoll interpretierter Reigen, der von Marsch und Polka bis hin zu Film- und Pophits reichte. 160 hoch motivierte Instrumentalisten sorgten für echte Klangerlebnisse.

Das im "Airport Jam" musikalisch angedeutete, quirlige Treiben auf einem Flughafen meisterten die "Blauen" um Dietmar Kay ebenso klangintensiv wie die "Marta-Polka". Dass sie auch stimmliche Qualitäten besitzen, bewiesen die Musiker im "Silva Nigra". Im "Schwarzwald" setzte das Orchester morgendlichen Nebel, Impressionen auf einer Wanderung und einen Besuch im Kloster feinsinnig und differenziert um: mal geheimnisvoll und düster-verworren, mal strahlend und erfrischend, mal choralartig.

"Bridge over troubled water", "Hey, Mrs. Robinson" und "Sound of Silence" sind die Hits des Duos Simon & Garfunkel gewesen. Sie lebten am Wochenende in einem Medley von Kurt Gäble in mal zartem, mal sattem Orchesterklang wieder auf.

Für ein Stück haben sich die "Blauen" besonders ins Zeug gelegt. So sei Moderator Andreas Berenbrinker gar in die Bundeshauptstadt gereist, um im Tiergarten, am "Alex" und im Olympiastadion eine Anderthalb-Liter-Flasche "Berliner Luft" abzufüllen. In den Konzerten ließen die Instrumentalisten den Stopfen heraus und beglückten die feste applaudierenden Zuhörer mit jenem Kulthit von Paul Lincke.

Eine Premiere gab es am Wochenende für die Musiker aus dem Schüler- und aus dem Jugendorchester. Sie musizierten ihr erstes Konzert mit dem neuen Dirigenten Manuel Büscher (27). Und ließen vom ersten Ton an keinen Zweifel daran, dass sie zu einer echten Gemeinschaft zusammen gewachsen sind, menschlich wie musikalisch. Das Ergebnis überzeugte durchweg.

Die Schüler, mit 52 Mädchen und Jungen in noch nie da gewesener Stärke zu erleben, legten unter der mit Achtelnoten und Notenschlüsseln festlich funkelnden Dekoration mit einem würdevollen "Festivo" von Brian Connery los. Nicht um "Pizza", wie es die Moderation von Miriam Adämmer, Julian Kay, Alina Reckord und Anna Schulte zunächst vermuten ließ, sondern um "Pizzicato" (gezupftes Spiel) ging es in der gleichnamigen Polka von Johann und Josef Strauss, während im "Superheroes R us" Supermann und James Bond musikalisch lebendig wurden.

Was gute musikalische Nachwuchsarbeit ausmacht, demonstrierten schließlich die Mitglieder des Jugendorchesters. Beleg dafür war nicht nur das von Christina Pollkläsener und Cornelia Moschner moderierte Auftaktstück "March Willing and Able", das sich auf den Eifer von jungen Musikern im Blasorchester und auf ihre unendlichen Möglichkeiten, zu lernen bezieht. Filmmusik zu "Fluch der Karibik", eine instrumental dargestellte, nicht immer im richtigen Takt tickende Standuhr (super: Marvin Wulfhans an den Woodblocks), Swingendes im "Fly me to the Moon" und fetziger Jazz, gekoppelt mit Sambarhythmen in "St. Thomas" machten das Zuhören zum Erlebnis.

Ein Klangerlebnis, das allein im Finale getoppt wurde. Zu "Highland Cathedral" gesellten sich zu den Musikern auf der Bühne die "Blauen" in den Umgängen dazu. Das Ergebnis: satter Surround-Sound mit Gänsehautfeeling pur. Einfach klasse!