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10. April 2013
Musikverein Verl

Guter Auftritt für beide Orchester eine Ehrensache

von Ralf Steinecke / Die Glocke

Fußballmannschaften brauchen ihren Trainer, um sich zu entwickeln, Orchester ihren Dirigenten.

Wer redet, der zahlt: Dirigent Anatole Gomersall mit dem Pappmaché-Schwein. Die Mitglieder des Jugendochesters müssen 50 Cent berappen, wenn sie während der Probe quatschen.

Wer redet, der zahlt: Dirigent Anatole Gomersall mit dem Pappmaché-Schwein. Die Mitglieder des Jugendochesters müssen 50 Cent berappen, wenn sie während der Probe quatschen.

Die richtige Mischung zu treffen, sei gar nicht so einfach. Das sagt Dirigent Dietmar Kay.

Die richtige Mischung zu treffen, sei gar nicht so einfach. Das sagt Dirigent Dietmar Kay.

Klare Anweisungen: Anatole Gomersall führt das Jugendorchester.

Klare Anweisungen: Anatole Gomersall führt das Jugendorchester.

Premiere feiert das Erwachsenenorchester beim Deutschen Musikfest im Mai.

Premiere feiert das Erwachsenenorchester beim Deutschen Musikfest im Mai.

Verl (gl). Dietmar Kay und Anatole Gomersall „trainieren“ das Erwachsenen- und Jugendorchester des Musikvereins Verl. So unterschiedlich ihre Methoden, so gleich ist doch das Ziel: die Teilnahme im Mai am Deutschen Musikfest in Chemnitz.

Gutes Abschneiden ist dabei für beide Orchester Ehrensache. Für das Jugendorchester, das seit November von Gomersall geleitet wird, ist es die sechste Teilnahme. Mit 51 Musikern reist der Nachwuchs ins Epizentrum der Orchesterkultur. Das Erwachsenenorchester feiert dagegen mit seiner Teilnahme in Chemnitz Premiere. Während die Jugend in der Kategorie drei startet, treten die Erwachsenen in der Klasse vier von insgesamt sechs an.

„Für uns ist das ein Ansporn, um zu gucken, wo wir überhaupt stehen“, so Dietmar Kay, Dirigent des Erwachsenen-Orchesters, zu den Gründen der ersten Teilnahme. Schließlich möchte er die Formation nicht nur auf Marschmusik reduziert wissen. „Wir kämpfen gegen das Bufftata-Image an“, weist der 45-Jährige darauf hin, dass das musikalische Spektrum von Jazz bis Klassik reicht.

„Return to Ithaca“ und „A Citys Inspiration“ sind zwei lebendige Stücke, mit denen sich die Verler präsentieren werden.

Auch Gomersall mag es lebendig und quirlig. Das Stück „The Chase through Albemarle“ gehört dazu. Differenziert gestaltet, liegt es beim Schwierigkeitsgrad über dem vieler Jugendorchester. Intonationssicherheit ist für die Klarinetten, Flöten und Hörner gefragt. „Da macht es Spaß zu spielen“, ist auch das zweite Stück „Sedona“ ganz nach seinem Geschmack.

Rund ein Monat bleibt den beiden Orchestern jetzt noch Zeit, um die Stücke zu verinnerlichen. „Man muss die richtige Mischung aus lässig und streng treffen“, sagt Dietmar Kay und lacht. Er ist zwar der „Chef“ im Ring, doch seine „Untergebenen“ sind alle Freiwillige.

Es geht bereits auf 21 Uhr zu. Die Konzentration lässt nach. Der Diplom-Ingenieur trifft den richtigen Ton. „Ich höre zu viele zu freie Einsätze.“ Das Gelächter lockert die Stimmung. Der Siebenachtel-Takt hat es in sich. Immer wieder die gleiche Stelle. Verbesserungsvorschläge kommen aus dem Orchester.

Es wird konstruktiv zusammengearbeitet. Alle verfolgen ein Ziel. Schließlich soll die Premiere vom 9. bis zum 12. Mai dem Kay’schen Qualitätsanspruch gerecht werden.

„Leise, sonst freut sich das Schwein“

Verl (rast). Auf der Internetseite zur fünften Auflage des Deutschen Musikfests läuft der Countdown. Rund 15 000 Musiker und 150 000 Besucher werden in Chemnitz erwartet. Von 1989 bis 2001 fand die von der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände (BDMV) organisierte Veranstaltung als Deutsches Bundesmusikfest statt. Seit dem 2007 in Würzburg veranstalteten Fest läuft es unter dem Namen Deutsches Musikfest.

„Es läuft gut“, ist Dirigent Anatole Gomersall mit der Entwicklung des Jugendorchesters zufrieden, seit er es im November übernommen hat. Jetzt wird zielgerichtet auf Chemnitz hingearbeitet. Das Gesamtbild muss stimmig klingen. Dafür muss akkurat gespielt werden. Die einzelnen Sektionen müssen harmonisch ineinandergreifen.

Nicht einfach ist das, wenn die Bassklarinette wegen einer Klassenfahrt fehlt. Da singt der 48-Jährige schon mal selber den Part. „Das geht“, sagt Gomersall und lacht unbekümmert. Improvisation ist das halbe Musikerleben. Wo liegt die Betonung? Noch drei Minuten sind für die Klarinetten eingeplant. Langsam nimmt der Takt Form an. Immer wieder erklärt Gomersall und korrigiert. Stets mit einer Prise Humor. Plötzlich wird er ernst: „Leise, sonst freut sich das Schwein.“ Mächtig rosa steht das Pappmaché-Tier mitten im Orchester und wartet auf den Einwurf von 50 Cent. Kleine Maßnahme für die Mannschaftskasse, damit die Jungen und Mädchen nicht zu viel schwatzen und bei der Sache bleiben.