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14. Januar 2014
Musikverein Verl

Mit Lust am satten Klang

von Karin Prignitz (nw-news.de)

1.400 Zuschauer feiern bei drei Neujahrskonzerten den Musikverein Verl

Das Jugendorchester war noch spürbar vom Erfolg der Wettbewerbsteilnahme beim Musikfest in Chemnitz beseelt. | FOTO: KARIN PRIGNITZ

Das Jugendorchester war noch spürbar vom Erfolg der Wettbewerbsteilnahme beim Musikfest in Chemnitz beseelt. | FOTO: KARIN PRIGNITZ

Verl. Michael Diels und Jonathan Verhoven vom Ostwestfalen-Jugendorchester müssen es ja wissen. "Unser letztes Stück kommt aus dem Osten." Etwa aus Kaunitz? Knapp daneben. Aus Japan. Eine sehr gelungene Mischung aus humorvollen Zwischentönen, sattem Bläserklang und musikalischer Perfektion webten rund 130 Instrumentalisten am Wochenende im pädagogischen Zentrum der Hauptschule Verl.

Traditionell am zweiten Januar-Wochenende präsentierten die drei Orchester des Musikvereins Verl ihr aktuelles Programm. Bei jedem der drei Konzertauftritte erreichten die Musiker ihr Publikum mühelos mit der von ihnen servierten kreativen Souveränität und der unter Anatole Gomersall gewachsenen sicht- und hörbaren Spielfreude. Insgesamt 1.400 Besucher konnten sich nichts Schöneres vorstellen, als sich für gut zwei Stunden in das Reich der Träume und anderer Kulturen entführen zu lassen. Belohnt wurden sie mit einem Programm, das Abwechslung bot und der Lust am satten Klang der Orchester.

"Mit dem Jahreskonzert wollen wir ein Stück Chemnitz nach Verl holen", das hatte Andreas Berenbrinker bereits am Anfang verkündet. Der Vorsitzende des Musikvereins spielte damit auf die erfolgreiche Teilnahme beim Deutschen Musikfest im Mai 2013 an, bei dem rund 100 Verler die Traumnote "sehr gut" zugesprochen bekommen hatten.

Deshalb durfte die mit überzeugender Tonbrillanz zum Auditorium geschickte Hymne der Blasmusik, ein Böhmischer Marsch, auf keinen Fall fehlen. Den Beginn aber machte das Ostwestfalen-Jugendorchester. Nachdem er im vergangenen Jahr spontan eingesprungen war, führte Anatole Gomersall den Dirigentenstab nun auch beim zweiten Jahreskonzert. "Wir sind seit einem Jahr zusammen und immer noch glücklich", verglich der gebürtige Brite sein "Verhältnis" zum Jugend- und auch zum Schülerorchester mit dem eines frisch verheirateten Ehepaares.

Mit britischem Humor und dennoch fester Hand führte Gomersall, dessen Vater (in London) ebenfalls Kapellmeister war, die Bläser und Rhythmiker durch die musikalischen Klippen und spornte sie zu Höchstleistungen an. Immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Mit dem flotten "Slipstream" eröffnete die Jugend das Konzert und nahm ihre Zuhörer dann mit in die Weiten des Weltalls mit einer wunderbaren Star-Trek-Interpretation.

In roten Shirts enterten die Spieler des Schülerorchesters die Bühne. Mit beeindruckender Sicherheit ließen sie, obwohl viele zum ersten Mal im Rampenlicht standen, etwa die Geburtsstadt ihres Dirigenten bei der "London Intrada" mit einem Mix aus Pomp und Förmlichkeit lebendig werden. Auf Schrott Musik machen? Auch das bekam der Nachwuchs hin. Beim tollkühnen "Junk Funk".

Sportlich-schwungvoll erklomm schließlich Dietmar Kay das Podium. Mitreißende Bläserklänge in vielen Schattierungen schenkte der Dirigent den Zuhörern mit dem Ostwestfalen-Blasorchester.

Insbesondere bei den "Dublin Pictures" spielten die Musiker die Bandbreite ihres Könnens und der Klangfarben bis zum lebhaft-fröhlichen letzten Satz aus. Nach so viel guter Unterhaltung war nicht nur der donnernde Applaus gewiss. Klar war auch, dass keines der Orchester ohne eine Zugabe ziehen gelassen wurde.