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26. Mai 2008
Musikverein Verl

Stehende Ovationen im Pädagogischen Zentrum

von Andreas Berenbrinker

Musikverein holt hochkarätige Gäste nach Verl und begeistert selbst

Professor Armin Bachmann gemeinsam mit dem Landesblasorchester unter der Leitung von Renold Quade

Professor Armin Bachmann gemeinsam mit dem Landesblasorchester unter der Leitung von Renold Quade

Das Landesblasorchester NRW mit Dirigent Renold Quade

Das Landesblasorchester NRW mit Dirigent Renold Quade

Professor Armin Bachmann wusste auch als Entertainer zu begeistern

Professor Armin Bachmann wusste auch als Entertainer zu begeistern

Der Vorsitzende Siegfried Helfberend (2.v.r.) sowie die Initiatoren Dietmar Kay (Mitte) und Mike Finke (rechts) freuen sich über den Besuch vom LBO unter der Leitung von Renold Quade (links) und Professor Armin Bachmann (2.v.l.)

Der Vorsitzende Siegfried Helfberend (2.v.r.) sowie die Initiatoren Dietmar Kay (Mitte) und Mike Finke (rechts) freuen sich über den Besuch vom LBO unter der Leitung von Renold Quade (links) und Professor Armin Bachmann (2.v.l.)

Verl (ab) Verl, Dein Musikverein! Dass die Mitglieder des heimischen Vereins es musikalisch drauf haben, haben sie schon oft bewiesen. Nun ist es dem Verein mit dem Vorsitzenden Siegfried Helfberend und den Dirigenten Dietmar Kay und Mike Finke gelungen, wahrlich hochkarätige Gäste nach Verl zu locken. Das Landesblasorchester NRW und der Schweizer Professor Armin Bachmann (Posaune) gaben ein Stelldichein. Dass Musik verbindet haben zudem die Workshop-Ensembles bewiesen, die ebenfalls beim Konzert auftraten. Musiker aus der ganzen Region spielten gemeinsam auf und schufen ein unbeschreibliches Gemeinschaftsgefühl - eine klasse Idee vom Musikverein Verl mit hervorragender Umsetzung.

Aber der Reihe nach: Den Anfang beim Konzert im sehr gut gefüllten Pädagogischen Zentrum der Hauptschule machten die Musiker vom Landesblasorchester NRW (LBO). Zuhause ist das LBO in Heek an der niederländischen Grenze, der Dirigent Renold Quade kommt aus Düren, die Instrumentalisten aus ganz Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam waren sie nun in Verl, um ihr Können in der klassischen, symphonischen Blasmusik zu beweisen. Die Musiker des LBO bewiesen eindrucksvoll, warum sie als Auswahlorchester von NRW unterwegs sind, das Bundesland musikalisch zu repräsentieren. In der "Sinfonie Nr. 3 Slavenska" von Boris Koshevnikow wussten die Musiker zu überzeugen. Geschliffen im Ton und exakt im Spiel stellte das Stück einen wahren Hörgenuss für die Zuhörer dar. Symphonische Blasmusik im besten Stil. Beeindruckend wie zum Beispiel die Holzbläser mit den Fingern über ihre Instrumente huschten und schwierigste Läufe scheinbar spielend meisterten.

Hoch konzentriert meisterten die Auswahlspieler auch das gemeinsame Stück mit dem Schweizer Musikprofessor Armin Bachmann. Im "Konzert für Posaune und Orchester" von Nino Rota zeigte der äußerst sympathische Posaunenvirtuose sein außergewöhnliches Können. Professor Armin Bachmann wurde scheinbar eins mit seiner Posaune und er lebt und liebt sein Instrument. Das präzise Zusammenspiel mit dem LBO, das "Durchqueren" vieler Tonlagen und der sichtliche Spaß an der Musik faszinierte die Gäste.

Mit der "Filmmusik" von Nino Rota und "Pomp and Circumstance March No. 4" beendete das LBO den ersten Teil des Konzertes. Bei der Filmmusik ging es für die Zuhörer eingängiger zu, einige Melodien luden zum Mitsummen ein. Tonfolgen aus "La Strada", "La Dolce Vita" oder "Krieg und Frieden" sind halt bekannt. Der abschließende Marsch kam dann gewaltig, aber auch anrührend daher. Besonders die imposante Schlagwerk- und Percussionabteilung kam dabei zum Zug.

Nach der Pause schlug dann die Stunde vom Musikverein Verl. Das Jugend- und das Erwachsenenorchester betraten gemeinsam die Bühne und dafür gab es Lob von höchster Stelle. "So muss das sein, jüngere und ältere Musiker spielen gemeinsam auf. So stellt man sich ein gutes Vereinsleben vor", war Professor Armin Bachmann begeistert vom gemeinsamen Auftritt. Auch musikalische wussten die heimischen Mädchen und Jungen, Frauen und Männer zu gefallen. Nicht mehr so klassisch symphonisch wie das LBO sprach die Musik eine breitere Masse an. Der unterhaltende, leicht volkstümlichere Charakter der Stücke sorgte für Kurzweil unter den Zuhörern. Den Beginn nach der Umbaupause bildete "Fanfare oft he Bells" von William Gordon - ein klassisches Eröffnungsstück unter der Leitung von Mike Finke, Dirigent vom Jugendorchester. Dass sich der Musikverein Verl nicht hinter dem Landesblasorchester NRW verstecken muss, bewiesen die Musiker auch in Kurt Gäbles "Euregio", diesmal dirigiert von Dietmar Kay vom Erwachsenenorchester. Einsteigen in einen Zug und sich musikalisch durch die Landschaft "kutschieren" lassen. Forte und Piano wechselten genauso exakt wie langsames und schnelles Spiel. Das lange Üben hatte sich wahrlich gelohnt. Da das ganze Wochenende mit den Workshops für "tiefes Blech" unter der Leitung vom Posaunisten Armin Bachmann stand, sollten beim Konzert auch die Holzbläser nicht zu kurz kommen. In der "Overture for Woodwinds" überzeugten dann die Klarinettisten, Flötisten, Oboisten und Saxophonisten. Ein laues Lüftchen, ein frischer Wind oder ein aufziehender Sturm - die Augen zu und man wähnte sich mitten in der Natur. Auch Professor Armin Bachmann ließ es sich nicht nehmen, gemeinsam mit dem Musikverein Verl aufzutreten. Im "Way down Blues" überzeugte der Schweizer nochmals, insbesondere mit einem frei interpretierten Solo, bei dem der Posaunist sogar etwas sang und zum Mitmachen animierte - herrlich. Melodien von Phil Collins und die fetzige "Copacabana" als Zugabe krönten das Konzert. Bei der "Copacabana" mit einem furiosen Schlagzeugsolo wähnten man sich bei Sonne, Sand und Meer am Strand - Bikini-Mädchen beobachten und Caipirinhas in der Hand. Auch die Mitglieder des Landesblasorchesters gingen begeistert mit.

Besondere Highlights in einem  von Höhepunkten gespickten Konzert waren die Auftritte der "Workshop-Ensembles". Professor Armin Bachmann hatte am Wochenende drei Workshops abgehalten, aus denen die Spielgruppen hervorgingen. Innerhalb von wenigen Stunden hatten sowohl Musikanfänger als auch Fortgeschrittene Stücke eingeübt und gaben sie zum Besten. Einsame Klasse hierbei war sicherlich das verbindende Element der Musik. Nicht nur aus Verl waren Musiker in diesen Ensembles aktiv. Aus der ganzen Region waren Tiefblech-Spieler dabei und fühlten sich in der Ölbachgemeinde sehr gut aufgehoben. Für diese Idee muss man dem Musikverein Verl einfach ein großes Lob aussprechen. Professor Armin Bachmann erwies sich bei der Präsentation als wahrer Entertainer und überzeugt mit Humor, Schlagfertigkeit und einer sehr herzlichen Art. Ein Volltreffer, den der Musikverein da gelandet hat. Aber auch die beiden Ansager aus den Reihen des Vereins verdienen ein Extra-Lob. Katharina Pollmeier und André Aelker führten charmant, kurzweilig und kenntnisreich durch das Programm und ließen die Zuhörer mit den Stücken nie allein.

Alles in allem ein hervorragender Abend, den der Musikverein, insbesondere mit den Initiatoren Dietmar Kay und Mike Finke da auf die Beine gestellt hat. Ein Verein mit solchen Ideen tut jeder Gemeinde gut, die Umsetzung war erstklassig und alle Beteiligten hochzufrieden. Wofür braucht man da den Eurovisions-Grand-Prix oder die "No Angels", wenn man doch den Musikverein Verl hat!?