Musikverein probt nun online – Wiedersehensfreude ist groß

Seit über einem Jahr finden beim Musikverein Verl keine normalen Proben mehr statt, auch alle Auftritte und Ständchen sind aufgrund der Corona-Krise ausgefallen. Nun gehen die Musikerinnen und Musiker neue Wege – am Montag fand die erste digitale Probe in der 65jährigen Geschichte des Vereins statt.

Es ist auch für die drei Orchester des Verler Musikvereins eine schwere Zeit. Nicht nur das Jahreskonzert im Januar fiel aus, auch der traditionelle Musikalische Frühlingsschoppen musste in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal nach 2020 abgesagt werden. Sämtliche Schützen-, Volks- und Kirchenfeste fanden und finden nicht statt – das Schüler- und das Jugendorchester sowie der Musikverein haben keinerlei Auftritte. Besonders schmerzt die Instrumentalisten aber, dass die wöchentlichen Proben nicht stattfinden. Hier wird nicht nur mit Freude Musik gemacht, man trifft auch seine Freunde.

Nun hatte der Vorstand rund um den Vorsitzenden Tobias Erichlandwehr die Idee, eine digitale Probe anzubieten und diese fand natürlich am normalen Probentermin am Montagabend statt. „Ich hoffe, ihr habt alle eure Instrumente entstaubt“, sagte Erichlandwehr zu Beginn des Zoom-Meetings und hatte die Lacher auf seiner Seite. Fast 30 Musikerinnen und Musiker waren bei der Premiere dabei und neben den Melodien stand auch der Spaß im Vordergrund. Viele hatten sich seit Wochen oder gar Monaten nicht gesehen, es herrschte eine große Wiedersehensfreude.

Während der digitalen Probe spielte die Schriftführerin Katharina Pollmeier Musikstücke ein, die der Musikverein im Repertoire hat. Die Instrumentalisten spielten ihre Stimmen zuhause im Wohnzimmer oder Partykeller mit. Und so dürften sich einige Verler am Montagabend vielleicht über Trompeten-, Klarinetten- oder Posaunenklänge in ihrem Haus oder in der Siedlung gewundert, aber auch gefreut haben. Für die erste Probe hatte sich der Vorstand neben einem Medley mit Beatles-Melodien für Polka- und Marschklänge entschieden. Für die nächsten Proben in den kommenden Wochen können die Instrumentalisten sich selbst Stücke wünschen.

Der Dirigent des Musikvereins Dietmar Kay lobte diese Art der Probe, auch wenn er „seine“ Musikerinnen und Musiker nicht berichtigen oder insgesamt Einfluss nehmen konnte. „Dieser Termin ist für viele einfach mal wieder ein Grund, sein Instrument aus dem Koffer zu nehmen“, sagte Kay. Außerdem würde das Zusammengehörigkeitsgefühl im Verein so gestärkt. Passend zur digitalen Probe zog Dietmar Kay auf Anraten seiner Frau Heike – selbst Saxophonistin im Verein – seinen roten Pullover an, eine Art Markenzeichen des Dirigenten.

Die Musikerinnen und Musiker zogen ein positives Fazit und lobten das Engagement und die Idee des Vorstandes. Auch wenn eine digitale Probe ein echtes Zusammentreffen nicht ersetzen kann, sorgte das Zusammentreffen für eine willkommene Abwechslung in einer besonderen Zeit. Der Vorstand plant nun, auch für das Schüler- und das Jugendorchester ähnliche Proben anzubieten.

Text und Fotos von Andreas Berenbrinker zur Verfügung gestellt.

Dirigent Dietmar Kay vor erster digitaler Probe
Andreas Berenbrinker In traditionellem roten Pullover bereitet sich Dietmar Kay auf die erste Probe im digitalen Raum vor.

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